16 Juli 2021
Investisseur Nomade | Unser Investor Silvère spricht mit Arūnas Lekavičius, CEO von PeerBerry

Als Web-Unternehmer und nomadischer Investor seit 2015 verließ Silvère sein Pariser Umfeld in Frankreich, um auf der Insel Reunion im Indischen Ozean zu leben, wo er seine Web-Aktivitäten begann, um finanzielle Freiheit zu erlangen. Danach zog er nach Chiang Mai im Norden Thailands, eine Stadt, in der viele digitale Nomaden arbeiten.

Auf seinem Blog Investisseur Nomade, dokumentiert er seine Crowdlending-Aktivitäten und teilt seine Erfahrungen als Unternehmer. Es ist daher naheliegend, dass Silvère Arūnas Lekavičius, dem CEO von PeerBerry, einige Fragen stellen wollte. Dies ist wichtig für ihn gewesen, da es für ihn die Plattform ist, auf der er sich bisher am meisten engagiert hat. Dieses Interview wird seine tiefgehende Analyse von PeerBerry abschließen.

1. Sie haben Ihre gesamte Karriere in der Banken- und Finanzbranche verbracht. Was hat Sie motiviert, in den Crowdlending-Sektor einzusteigen (der definitionsgemäß eine Alternative zu Bankkrediten ist)?

Ich bin schon seit meinem Studium in der Finanzbranche tätig. Innerhalb von wenigen Jahren bin ich in Top-Management-Positionen aufgestiegen, habe aber als Front-Office-Mitarbeiter in der Kundenbetreuung angefangen. Das gab mir eine optimale Basis für das Verständnis der täglichen Kundenbedürfnisse und ein tiefes Wissen über das gesamte Paket der Finanzprodukte.

Durch meine Arbeit bei der Bank war ich an allen Prozessen beteiligt, die dort ablaufen. Daher weiß ich sehr gut, wie diese Branche intern und extern funktioniert. In den Jahren meiner Arbeit habe ich gesehen, wie sich der Markt verändert, und ich habe die Auswirkungen der fortschrittlichen FinTech-Branche auf den Bankensektor gespürt. Es ist höchste Zeit, dass sich die Banken verändern, denn die alternativen Dienstleister haben dem Bankensektor die Notwendigkeit aufgezeigt, weniger bürokratisch, technologisch fortschrittlicher und schneller zu werden.

Ich bin von Natur aus eine fortschrittsliebende Persönlichkeit, daher war der Wechsel weg von der Bank hin zu einer Alternative im FinTech ein sehr natürlicher Schritt für mich. Meine Erfahrung im Bankwesen ist dabei ein großer Vorteil bei der Arbeit im PeerBerry-Umfeld. Bei PeerBerry kann ich Bankstandards in der FinTech-Branche implementieren.

2. Was waren 2019, als Sie anfingen, die vorrangigen Entwicklungsbereiche, die Sie identifiziert hatten? Sind Ihre Ziele heute teilweise oder sogar vollständig erreicht worden?

Als ich Anfang 2019 zu PeerBerry kam, handelte es sich um eine der kleinsten Plattformen auf dem Markt. Das Gesamtportfolio von PeerBerry betrug damals 8 Mio. EUR, während unser Portfolio heute 57 Mio. EUR beträgt. Wir sind innerhalb weniger Jahre um das 8-fache gewachsen.

Als ich zu PeerBerry kam, lag mein Hauptaugenmerk darauf, das Team auszubauen und die Plattform im Technologiebereich zu verbessern, um sie zu einem der besten Werkzeuge zu machen, das man auf dem Markt für Investitionen nutzen kann. Ich habe der Verbesserung der internen Prozesse, dem Risikomanagement und der effizienteren Arbeit mit Geschäftspartnern viel Aufmerksamkeit gewidmet.

Nach dem Volumen der finanzierten Kredite ist PeerBerry heute die zweitgrößte Plattform in Kontinentaleuropa. Unsere Position auf dem Markt und unsere Ergebnisse zeigen, dass wir unsere Ziele nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen haben. Wir werden natürlich jetzt nicht aufhören – unser Ziel ist es, in der Kategorie der von uns angebotenen Dienstleistungen führend zu sein, was die Qualität angeht. Die Sicherheit der Anlegergelder hat für uns oberste Priorität. Es ist explizit nicht unser Ziel, der größte Anbieter auf dem Markt zu sein.

3. Im Jahr 2020 hat PeerBerry bei der lettischen Aufsichtsbehörde FCMC eine Lizenz als Investmentmakler beantragt. Was versprechen Sie sich von dieser Lizenz?

Wenn ich die Wahl oder die Entscheidung hätte, würde ich mich für eine einheitliche Regulierung auf EU-Ebene entscheiden. Leider gibt es eine solche Regulierung noch nicht, sodass die einzelnen Länder, wie in unserem Fall Lettland, die Branche derzeit lokal selbst regulieren.

Da die Regulierung in Lettland noch im Gange ist, kann ich nicht genau und detailliert aufzählen, welche Vorteile den Investoren zur Verfügung stehen werden.

Aber global gesehen wird die Regulierung in Lettland mehr Vertrauen in die gesamte Branche der alternativen Investments bedeuten. Da die baltischen Staaten die höchste Konzentration von Plattformen aufweisen, werden die Regulierungen in Litauen (die bereits seit einigen Jahren in Kraft ist) und Lettland bestimmte Spielregeln für den gesamten Sektor diktieren. Ich glaube, dass Investoren in Zukunft Plattformen noch sorgfältiger analysieren, den regulierten Plattformen den Vorzug geben und immer weniger Toleranz für zwielichtige Plattformen haben werden.

Die Regulierung in Lettland kann zu einem leichten Rückgang der Zinssätze führen, weil die Plattformen nach der Regulierung sicherlich höhere Kosten haben werden. Wie bei den Banken werden die Plattformen mehr Bürokratie ausgesetzt sein, mit mehr regelmäßigen Fragebögen zur Risikoeinschätzung des Kunden usw. Aber grundsätzlich dürfte sich für die Anleger nichts Wesentliches ändern. Der wichtigste Aspekt der Regulierung sind mehr Transparenz und Sicherheit für die Investoren, einschließlich einer zusätzlichen Sicherheitsebene: Die Rechte der Investoren werden nach den Gesetzen der Republik Lettland und der EU geschützt und jene erhalten somit Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe von 90 % des investierten Betrags bis zu EUR 20.000.

4. Vor kurzem haben Sie die Verteilung der PeerBerry-Investoren nach Ländern veröffentlicht. Die größte Anzahl der aktiven Investoren im PeerBerry-Portfolio kommt mit Abstand aus Deutschland (27 %). Wie erklären Sie sich das?

Die einfachste Erklärung wäre, dass Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern die größte Bevölkerung aufweist. Eine zweite Erklärung könnte sein, dass genug deutsche Investoren aktiv Informationen über ihre Anlageerfahrungen verbreiten. Das hat wohl dazu geführt, dass schon früh ausreichend detaillierte Informationen für Interessierte zur Verfügung standen, sodass diese Informationen bereits ein großes Publikum ansprechen konnten. Wir beobachten, dass Investoren aus Deutschland auch bei vielen anderen Plattformen den größten Anteil der Investoren ausmachen – PeerBerry ist hier also keine Ausnahme.

5. Wie erklären Sie sich, dass das bevölkerungsmäßig zweitgrößte Land Frankreich bei der Verteilung der PeerBerry-Investoren nach Ländern nur auf Platz 5 liegt? Planen Sie, die Webseite von PeerBerry in Zukunft in weitere Sprachen zu übersetzen, um sie mehr Menschen zugänglich zu machen?

Es mag sein, dass die Franzosen in Bezug auf alternative Investments konservativer sind als die Deutschen, daher gibt es weniger von ihnen auf der PeerBerry-Plattform. Wir beobachten aber ein spürbares Wachstum der Investorenzahl aus Frankreich.

Derzeit gibt es keine Pläne, neue Sprachen einzuführen. Wie ich bereits erwähnt habe, ist es nicht unser Ziel, die größte Plattform zu sein. Unser Ziel ist es, volle Investitionssicherheit zu gewährleisten. Unsere Erfahrung zeigt, dass unsere Dienstleistungen von Anlegern aus den verschiedensten Ländern verstanden werden und unser derzeitiges Sprachangebot dafür optimal ist.

6. Einige Crowdlending-Plattformen akzeptieren aufgrund von Problemen mit der französischen Regulierung keine Franzosen mehr. Erwarten Sie dieses Vorgehen auch für PeerBerry?

Es sei Ihnen versichert, dass wir derzeit französische Kunden akzeptieren, obwohl wir die Situation in Frankreich und anderen Ländern hinsichtlich der sich ständig ändernden Regulierung natürlich fortgesetzt beobachten.

7. In einem Interview vom August 2019 sagten Sie: „PeerBerry verlangt keine Risikobeteiligung für die Kreditanbahner, aber wenn wir weiter so wachsen, wie wir es jetzt tun, kann sich das ändern.“ Wie stehen Sie heute dazu?

Wir glauben, dass wir zusammen mit unseren Partnern bessere Sicherheitsmaßnahmen für unsere Investoren haben als eine „Risikobeteiligung“, deshalb erlitten unsere Investoren noch nie Verluste oder andere Probleme bei Investitionen über PeerBerry. Zusammen mit unseren Partnern ergreifen wir mehrere präventive Maßnahmen:

– PeerBerry-Partner nehmen nur bis zu 45 % ihres Kreditportfolios über die Plattform auf. PeerBerry kontrolliert die Höhe der Verschuldung der Partner, sodass diese nie die festgelegte Grenze überschreitet. Zum Beispiel belief sich das gesamte Kreditportfolio unserer wichtigsten Geschäftspartner (die Unternehmen, die unter dem Namen Aventus Group arbeiten) Ende Juni 2021 auf 126,5 Mio. EUR, während die Schulden bei PeerBerry nur 41,5 Mio. EUR betrugen. Nur etwa 33 % des Gesamtportfolios sind fremdfinanziert, wobei der andere Teil der Kredite mit eigenen Mitteln gestemmt wird. Bei einem solchen Verhältnis (Gesamtportfolio vs. Fremdfinanzierung) haben wir keine Schwierigkeiten, alle Investoren sofort auszuzahlen.

– PeerBerry-Partner halten ständig eine Barreserve von mind. 10 % ihres Kreditportfolios. PeerBerry kann diese Reserve jederzeit für die Rückzahlung von Krediten an Investoren verwenden.

8. PeerBerry ist in den letzten Monaten stark gewachsen und nun ein wichtiger Akteur im europäischen Crowdlending-Sektor. Denken Sie nicht, dass es an der Zeit ist, die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS (International Financial Reporting Standards) anzuwenden?

Viele Investoren unterschätzen die Plattform und schenken den Geschäftspartnern der Plattform nicht genug Aufmerksamkeit. Das ist der falsche Ansatz. Investoren investieren über die Plattform in Kredite, die von Kreditunternehmen vergeben werden. Es sind diese Kreditunternehmen, die die investierten Mittel an die Investoren zurückzahlen und an diese Zinsen zahlen – nicht die Plattform. Die Plattform ist der Vermittler zwischen Investoren und Kreditunternehmen. Daher muss der Analyse der Geschäftspartner der Plattform und deren Jahresabschlüssen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass fast alle Jahresabschlüsse unserer Geschäftspartner auditiert werden, wie es die Gesetze und Vorschriften in den operativen Ländern unserer Partner vorschreiben. Unsere Partner in Polen und der Ukraine erstellen ihre Jahresabschlüsse nach IFRS, wie es die lokalen Vorschriften erfordern. Andere Kreditgeber halten sich entsprechend an die Vorschriften in ihren jeweiligen Ländern.

Was die Plattform betrifft, so besteht unser einziges Einkommen aus einer Provision, die wir von unseren Geschäftspartnern erhalten. Beachten Sie, dass wir bereits seit mehr als einem Jahr mit der Regulierungsbehörde in Lettland zusammenarbeiten. Diese hat im letzten Jahr die Eigentumsverhältnisse der Plattform, alle Dokumente, Prozesse – einfach alles – überprüft und bewertet. Dieser Prozess kann auch mit einem Audit gleichgesetzt werden, weshalb wir auch keinen zusätzlichen Audit für 2020 vornehmen. Wenn wir doppelt auditiert werden, werden wir nicht doppelt so gut. Während wir uns im Prozess der Lizenzierung befinden, berichten wir der Behörde regelmäßig über die Aktivitäten und Ergebnisse der Plattform, d. h. wir erfüllen bereits die Anforderungen des Regulators. Nachdem PeerBerry ein lizenziertes Unternehmen ist, wird das jährliche Audit der Plattform obligatorisch sein.9. The total number of active investors grew by 30% during the first semester of 2020. This growth has been especially high for those investors who invest from 50 000 € to EUR 100 000 € (+127%). How do you explain that?

9. Die Gesamtzahl der aktiven Investoren ist im ersten Halbjahr 2020 um 30 % gestiegen. Es ist ein besonders hohes Wachstum an Investoren eingetreten, die zwischen 50.000 und 100.000 EUR investieren (+127 %). Wie erklären Sie sich das?

Ja, im ersten Halbjahr hatten wir in allen größeren Betragskategorien einen Zuwachs an neuen Anlegern, vor allem aber in der Kategorie von 50.000 bis 100.000 EUR. Der größte Teil des PeerBerry-Portfolios (siehe Grafik unten) besteht jedoch aus Investitionen zwischen 10.000 und 25.000 EUR (23 % des Gesamtportfolios) und Investitionen über 100.000 EUR (21 % des Gesamtportfolios). Investitionen zwischen 25.000 und 50.000 EUR machen 18 % des Gesamtportfolios aus.

In diesem Jahr feiert PeerBerry sein vierjähriges Bestehen. Während dieser Zeit haben unsere Investoren keine Verluste oder andere Probleme erlebt. Die großen Investitionen zeigen somit das hohe Vertrauen der Investoren in die Plattform.

10. Wie sehen Sie die nahe Zukunft? Wo liegen die Entwicklungspotenziale für PeerBerry? Welche Aspekte müssen Ihrer Meinung nach bei PeerBerry verbessert werden?

Unsere obersten Prioritäten sind jetzt die Regulierung sowie die Weiterentwicklung der Plattform bzw. der PeerBerry-App.

Das Interview mit Arūnas Lekavičius finden Sie auf Französisch im Blog von Silvère.